Vanitas – Vergänglichkeit gefasst in Ton

‘Die Schönheit des Verfalls’
Ausstellung: „Vanitas“ – Vergänglichkeit gefasst in Ton
27.
September bis 26. Januar 2020

Vanitas: die Eitelkeit der Dinge, bzw. alles geht vorbei. Jahreszeiten kommen und gehen, Menschen werden älter, Pflanzen gehen ein und vergehen. Gebäude werden rissig, Gemälde verblassen, Steine ​​nutzen sich ab. Ein Thema, das Künstlern seit Jahrhunderten inspiriert. Diese faszinierende Ausstellung zeigt Arbeiten von Künstlern aus dem In- und Ausland, die es verstehen, den Test der Zeit in ihren keramischen Kunstwerken festzuhalten.

Es ist nicht länger notwendig, sich Gedanken über Falten, hängender Haut oder graues Haar zu machen. Diese Ausstellung bringt eine Ode an den Verfall und zeigt, wie schön Rückgang sein kann.

Die Ausstellung „Vanitas“ ist vom 27. September bis 26. Januar 2020 im Keramikzentrum Tiendschuur Tegelen zu sehen.

Im Goldenen Zeitalter, der Blütezeit der VOC-Ära, florierten die Künste dank vieler reicher Händler, die ihr Haus mit Kunst schmücken wollten. Viele Porträts wurden innerhalb der Malerei durch Beauftragung hergestellt. Aber auch Landschaften, mythologische und biblische Szenen und Stillleben wurden viel verkauft. Die Stillleben wirken oft wie eine zufällige Ansammlung von Sachen. Diese wurden jedoch sehr bewusst zusammengestellt. Und oft waren es Symbole, die sich auf etwas anderes bezogen. Ein häufiges Thema in diesen Stillleben war Vanitas, die Vergänglichkeit der Dinge. Das Kunstwerk war daher nicht nur ein Statussymbol, sondern auch eine fromme Lektion, die den Gästen zeigte, wie tugendhaft der Herr des Hauses war. Der Inhalt dieser Botschaft muss zu der Zeit ungefähr wie folgt gewesen haben: „Denke daran! Dieses Leben geht vorbei, stelle sicher, dass Du fromm lebst und erinnere Dich daran, dass Du vergänglich bist und dass Du nach dem Tod entweder zu Gott kommen darfst oder zu Staub vergehst“ oder so ähnlich…

Das Vanitas-Thema war zu erkennen durch zum Beispiel ein Blumenarrangement worin Blumen verarbeitet waren, die in Wirklichkeit niemals gleichzeitig zusammen wachsen. Ein Verweis auf die Jahreszeiten, auf die Zeit, die vergeht. Aber oft war auch eine Schnecke darin verarbeitet, die auf Fäulnis, Verfall und schließlich einen Schmetterling hinweist, der den Aufstieg der Seele nach dem Tod symbolisierte. Neben Blumen symbolisierten beispielsweise ein umgefallenes leeres Glas, eine ausgeblasene Kerze oder Öllampe sowie eine Sanduhr oder eine Uhr das Zeitvergehen. Blumen die verwelken, Früchte mit braunen Fleckchen, Insekten, Schnecken oder Raupen, verwiesen auf Verfall und Rückgang. Das ultimative Symbol für den Tod war damals und heute natürlich der Totenkopf, der Schädel.

Viele dieser Symbole finden sich auch in den Kunstwerken dieser Ausstellung wieder.

Bei Chris Vicini sind die verwelkten Blumen schön wiederzufinden. Einst jungfräulich weiß, jetzt mit Schneckenschleim und dem unumkehrbaren Verrottungsprozess beschmutzt.

Natasha Lefevre verweist auch auf die Pflanzenwelt, aber dann anders, nämlich auf die Natur, die alles überwuchert. Moos oder Efeu-ähnliche Strukturen überwuchern ihre menschlichen Figuren. Sie zeigt den Verfall auch indem sie Keramik mit Metall kombiniert, das hier und da durch die Haut ihrer Skulpturen bricht. Die Metallkonstruktion die die Haut durchbricht, Rost zeigt so den Rückgang buchstäblich und bildlich.

In Bezug auf die Vanitas-Symbolik befinden sich das Skelett und insbesondere der Schädel bei weitem auf Platz 1. Dies ist auch in dieser Ausstellung der Fall. Skelette und Schädel sind auf verschiedene Weise zurück zu finden. Zum Beispiel als Suchbild, klein und unauffällig in einen Sockel eines Bildes von Michael Flynn eingearbeitet. Bei ihm ist die Symbolik subtil und spiegelt sich manchmal vor allem im Titel wider.

Marja Kennis kombiniert die Pflanzen buchstäblich mit dem Schädel. Sie macht mit Gipsformen und Porzellanscheiben Drucke von Pflanzenblättern. Mit diesen „Blättern“ formt sie dann einen Schädel. Auf eine ruhige, fast ästhetische Weise. Sie zeigt uns die Schönheit sowohl der Pflanzen als auch der unterschiedlich geformten Tierschädel.

Ästhetisch sind sicherlich auch die Schädel von Barbara Röling. Ihre Totenköpfe sind bunt und barock. Ja, das Wort Kitsch ist hier nicht unangebracht. Sie sind reichlich dekoriert, mit Gold, Edelsteinen, Blumenmotiven, sogar Sahnehäubchen. Ihre Schädel sind nicht unheimlich oder unangenehm, aber eine wildes Karnevalsfest, an den man sich nicht satt sieht. Oder vielleicht ist der Vergleich mit dem positiven mexikanischen Todesfest hier passender. Die bunt geschmückten fröhlichen Schädel bringen eine Ode an die Toten.

Fröhlichkeit oder ein Augenzwinkern finden sich auch in der Arbeit von Audrius Janušonis. Der litauische Künstler stellt zum Beispiel einen Schädel her, der einen Löffel zwischen seinen Kiefern hält, auf dem ein Ei balanciert. Eine andere Arbeit von ihm scheint der Wolf zu sein, der Rotkäppchen verschlingt, etwas weniger angenehm… Diese spannende Sphäre findet sich auch in der Arbeit von Lieven Demunter.

Die Märchen, Mythen und andere spannende Geschichten über den Tod finden sich außer bei Janušoni auch in den Werken von Michael Flynn, Mariëtte van der Ven und Carolein Smit. Der erste gibt ihnen eine leichtfertige Ausdrucksform. Mariëtte van der Ven gibt ihre Märchen auf schlichte Weise Form, indem sie Farbe einschränkt und die Haut auf eine sehr sterile Weise veredelt. Genau das macht ihre Arbeit noch bedrückender.

Carolein Smit schließlich ist eine Meisterin im Erzählen von Märchen und Geschichten. Mythen, Legenden und Geschichten über den Tod. Sie kriecht fast buchstäblich in die mit viel Liebe zum Detail ausgearbeiteten Häute ihrer Figuren. Vanitas ist auch bei ihr ein favorisiertes Thema. Es war sogar ausschlaggebend für ihre Entscheidung, trotz eines überfüllten Terminkalenders an dieser Ausstellung teilzunehmen.

Eine Ausstellung, die buchstäblich für ein Lächeln und einer Träne, ein Bibbern oder ein Gruseln sorgt. Aber das ist nicht schlimm, es macht klar, dass man fühlt, dass man lebt und dass man genießen kann, solang es noch geht!

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Freitag, den 27. September um 16:00 Uhr statt und wird von Kuratorin Sacha Odenhoven vorgestellt.

Teilnehmende Künstler sind:
Lieven Demunter (BE), Audrius Janušonis (LT), Michael Flynn (GB), Marja Kennis (NL) Natasja Lefevre (BE), Barbara Röling (NL), Carolein Smit (NL), Chris Vicini (SE), Mariëtte van der Ven (NL).

Unten genannte Künstler werden während der Ausstellung persönlich anwesend sein und führen Vorführungen, Vorträge und / oder Führungen durch:

Michael Flynn (GB), demonstriert seine Techniken und spricht über seine Arbeit.
Mariëtte van der Ven (NL) demonstriert ihre Techniken und erzählt von ihrer Arbeit.
Marja Kennis (NL), zeigt ihre Techniken und spricht über ihre Arbeit.