Wie gegossen

Die Kunst, Ton zu gießen

25. September bis 17. Januar 2021

Ton gießen mit all ihren Facetten. Eine Auswahl von Künstlern aus dem In- und Ausland zeigt, wie vielseitig diese Technik sein kann. Mit enormem Erfindungsreichtum verwenden sie dieses Verfahren. Ihre Arbeit reicht von besonders verspielt bis technisch und von straffem Design bis organisch und bizarr. Sie beweisen, dass mit dieser Reproduktionsmethode sehr originelle und einzigartige Kunstwerke geschaffen werden können.

Ursprünglich sollte Keramik mit der Tongießtechnik schneller in Serie hergestellt werden. Große Auflagen mit genau den gleichen Formen. Wovon die Gießränder und Spuren der Hersteller sorgfältig entfernt werden. So ist es in der Keramikindustrie der Fall bei der Herstellung von Geschirr, Vasen, Toilettentöpfen, Waschbecken, Gartenzwergen und vielem mehr … Aber es geht auch anders!

Wenn Künstler den freien Lauf nehmen mit dieser Technik, wissen sie daraus einzigartige Kreationen zu machen und entwickeln erstaunliche Variationen auf diese Methode. Die Arbeit, die sie mit Hilfe von Formen und Gießton machen, ist überraschend originell und vielseitig.

Für Hanneke Giezen (NL) ist die Form ihr Freund und Arbeitspferd. Sie gießt unzählige Elemente in ihre Formen, mit denen sie dann spielt und zusammenmontiert. So entstehen einzigartige Barockbilder aus unzähligen Waschbären, Muscheln und Blütenblättern. Auch für Johan Van Geert (BE) ist das Schieben mit gegossenen Formen eine favorisierte Beschäftigung, er arrangiert und ordnet, bis seine Skulpturen Inhalt bekommen. Eine Bedeutung, die oft eine Reaktion auf Weltereignisse ist, manchmal traurig, manchmal mit einem Augenzwinkern.

Bomi Lee (KR) aus Korea macht sehr schlichte, subtile Formen. Sie scheinen aus dünnem Papier gemacht zu sein. Sie spielt mit gegossenen Formen, indem sie sie nach dem Gießen und Verformen einschneidet. Hierdurch ist keines ihrer Werke wie das Andere.

Auch bei Johannes Nagel (DE) ist jedes Stück ein Unikat und auf spielerische Weise hergestellt. Mit seinen Händen gräbt und formt er tastend die negativen Formen in den Sand, in die anschließend der Ton gegossen wird. Die Form kann nur einmal verwendet werden. Hierdurch und durch den spontanen intuitiven Erstellungsprozess der Gießformen im Sand, ist seine Arbeit meilenweit von der geleckten und Fabrikproduktion in großen Mengen entfernt.

Dik Scheepers (NL) arbeitet auch intuitiv. Er hat Methoden entwickelt, mit denen komplexe Formen in eine Form gegossen werden können, die nur aus einem Teil besteht. Je direkter er arbeiten kann, desto besser. Er hat auch eine Geschirrserie gemacht unter dem Namen „Pieces of Pi“. Diese hat unregelmäßige Facetten und Gießrändern. Sie wurden bewusst nicht veredelt, damit der Produktionsprozess noch sichtbar ist. Dies unterscheidet die Arbeit deutlich von perfekt verarbeiteten Serienprodukten.

Das bewusst stehen lassen von Gießrändern findet sich auch wieder in den Arbeiten von Monika Patuszynska (PL) und Zsolt József Simon (HU). Bei Monika resultiert dies in Barockstapeln, ihre Arbeiten sind dynamische Skulpturen, die salopp gestapelt zu sein scheinen und sehen aus, als könnten sie jeden Moment umfallen. Bei Zsolt József sind die Gießränder zu einem Wirrwarr riesiger Stacheln und Riffel gewachsen. Die ursprüngliche Form ist nicht mehr zu erkennen. Seine Arbeit gehört zu einer völlig anderen Welt als die von straffer Reproduktionsarbeit, sie erinnert an organische Pflanzenformen wie Korallen, einer Ananas oder Disteln.

Dann gibt es noch die Künstler, die das Gießverfahren verwenden, um straffe geometrische Objekte herzustellen, die mit keiner anderen Keramiktechnik hergestellt werden können. Andreas Steinemann (CH) zum Beispiel fertigt Formen an, die an straffen Origami erinnern, tolle gefaltete Papiervasen. Aber es ist wirklich Keramik! Basierend auf geometrischen Formen entwirft Mieke de Groot (NL) eindrucksvolle komplexe Strukturen. Sie stellt diese zuerst aus Styropor her, aus dem sie Formen gießt, und aus diesen Formen formt sie die verschiedenen Teile, die sie schließlich zu einer großen Skulptur zusammenfügt. Speziell für diese Ausstellung hat sie auch Arbeiten entwickelt die auf einmal gegossen werden. Hier liegt auch der Ursprung komplexer Häute und Strukturen. Die Arbeit von Lea Georg (CH) ist ein großartiges Spiel mit Form und Rest Form mit Positiv und Negativ. Ihre Objekte passen zusammen wie Puzzleteile oder in diesem Zusammenhang; als perfekte mehrteilige Gießformen.

Arnold Annen (CH) und Sasha Wardell (GB) spielen mit Schichten und Transparenz. Beide arbeiten mit Lichtdurchlässigkeit von Porzellan. Arnold versieht seine hauchdünnen Gießschalen mit wunderschönen Häuten, an denen das Licht sein Spiel spielen kann. Sasha Wardell gießt mehrere Schichten Porzellan in verschiedenen Farben übereinander und schneidet sie dann teilweise wieder ab, wodurch die darunter liegenden Farben sichtbar werden. Die frischen Farbtöne und klaren Formen sind eine Augenweide. Die Geschmackspapillen werden auch getriggert, weil die verschiedenen pastellfarbenen Schichten an Süßigkeiten und magische Kugeln erinnern.

Margot Thyssen (BE) arbeitet auch mit Schichten, sie baut ihre Objekte gießend aus verschiedenen grellen Porzellantönen auf. Darüber hinaus zeigen andere ihrer Arbeiten das Gießen wieder schön in verschiedenen Porzellantönen, die ineinander fließen und überlaufen. Auch Olav Slingerland (NL) spielt geschickt das Spiel mit Gießen und Formen. Er entwickelt seine Formen und Prototypen mit anderen Materialien. Dadurch gelingt es ihm für Keramik unwirkliche und asymmetrische Formen zu erstellen, die insbesondere in Serien ein beeindruckendes Bild ergeben.

Zum Schluss gibt es eine Reihe von Ausstellern, die nahe am Konsumgut sind, diesem aber eine persönliche und künstlerische Note verleihen. Wie von Vladimir Groh & Yasuyo Nishida (CZ/JA) bestehen ihre Zier- und Gebrauchsgegenstände aus geschnittenen Formen, die spielerisch aufeinander montiert und mit wunderschönen Dekorationen verziert sind. Wobei jeder von ihnen deutlich einen eigenen Stempel in Bezug auf Stil auf die Objekte drückt, ein schönes Zusammenspiel dieser Partner in der Liebe und im Ton.

Eröffnung:
Freitag, 25. September um 16:00 Uhr. Dies wird aufgrund der Korona Maßnahmen auf alternative Weise organisiert. Konservator Sacha Odenhoven wird die Einführung geben; diese kann aus der Ferne, während und hinterher  angeschaut werden.

Teilnehmende Künstler sind:
Arnold Annen (CH); Johan Van Geert (BE);  Lea Georg (CH), Hanneke Giezen (NL);  Vladimir Groh & Yasuyo Nishida (CZ/JA));  Mieke de Groot (NL); Bomi Lee (KR); Johannes Nagel (DE), Monika Patuszynska (PL); Dik Scheepers (NL); Zsolt József Simon (HU);  Olav Slingerland (NL); Andreas Steinemann (CH); Margot Thyssen (BE); Sasha Wardell (UK).

Die unten aufgeführten Künstler werden während der Ausstellung persönlich anwesend sein und Demonstrationen, Vorträge und / oder Führungen anbieten.
Möchten Sie an einer Präsentation teilnehmen? Aufgrund der Korona bitten wir Sie, im Voraus einen Platz auf unserer Website zu reservieren.

  • 29. November 13:30 Uhr: Dik Scheepers (NL)
  • 27. Dezember 13:30 Uhr: Mieke de Groot (NL)
  • 3. Januar 13:30 Uhr: Johan Van Geert (BE)
  • 10. Januar 13:30 Uhr: Olav Slingerland (NL)
  • 17. Januar 13:30 Uhr: Vladimir Groh & Yasuyo Nishida (CZ / JA)

Workshop des Ausstellers:

  • 6. Februar 10:00-16:00 Uhr: Margot Thyssen (BE)