POTverdorie!

Frustrierende und eigensinnige Kunst in Tiendschuur

Die Künstler der Ausstellung "POTverdorie!" scheren sich nicht um Regeln

bis zum 15. Mai 2022

Diese Ausstellung im Keramikzentrum Tiendschuur in Tegelen lockt jedene aus dem Zelt, oder besser gesagt ins Zelt. Und das ist auch gut so, denn es wird höchste Zeit, dass wir wieder in die Museen gehen. Jeder Besucher, der diese Ausstellung besucht, wird durch die faszinierenden Kunstwerke herausgefordert. Sie wecken den Wunsch, ihnen auf den Grund zu gehen, zu verstehen, wie sie hergestellt wurden, egal ob man ein Keramikexperte oder ein Laie ist. Und so entsteht die "Ge-Topf-Verdorie", denn selbst der erfahrenste Töpfer ist frustriert, wenn er versucht herauszufinden, wie die Kunstwerke in dieser Ausstellung entstanden sind. Keine traditionelle Handwerkskunst und alte Töpfertechniken. Die Künstler in dieser Ausstellung sind eigensinnig, erfinderisch und setzen sich über alle Regeln des traditionellen Keramikhandwerks hinweg.

Die Keramiker, Künstler und Formgeber die jetzt in der Tiendschuur zu sehen sind, sitzen nicht still! Sie weichen von ausgetretenen Pfaden ab, sind wagemutig, eigensinnig und setzen sich über die traditionellen Regeln hinweg. Sie denken sich neue und überraschende Methoden zur Gestaltung von Ton und ihren Werken aus. Sie haben eine neue Keramikwelt voller Möglichkeiten und Chancen entwickelt. Eine Reihe neuer Techniken zum Formen von Ton ist hier zu sehen. Wie Schneiden, Bauen, Drucken, Pressen, Fräsen, Gießen, Kochen, Blasen und mehr. Dass traditionell geformte Keramik wunderschön ist, darf sicher nicht vergessen werden, aber nach diesen gewagten Experimenten, die dank einer unendlichen Engelsgeduld gelungen sind, sind selbst die meist braven Keramikliebhaber verleitet, die ausgetretenen Pfade ab und an zu verlassen.

Am weitesten vom Töpfer entfernt ist womöglich der 3D-Drucker. Was der kann, kann nicht auf der Drehscheibe. Und genau das ist die Absicht. Eine Erweiterung der Möglichkeiten, um Keramik zu bearbeiten. Eine Ergänzung, eine Bereicherung, sicherlich keine Bedrohung für den Töpfer. Die Arbeiten haben eine so unterschiedliche Ausstrahlung, dass sie nicht miteinander zu vergleichen sind und daher keine Konkurrenz darstellen. Es geht vielmehr darum, welchen Effekt der Keramiker erreichen will. Yao van den Heerik und Marlieke Wijnakker (NL) vom Studio Vormvrij haben sich ganz auf diese Technik gestürzt und bauen selbst 3D-Drucker für Keramik. Sie bilden komplexe gedrehte und offengearbeitete Strukturen. Diese werden am Computer entworfen und vom Drucker mit dünnen Fäden aus Ton reproduziert. In dieser Ausstellung sind die komplizierten und endlosen Möglichkeiten ihrer 3D-Drucker zu sehen.

Die Engländerin Alice Walton macht keine Töpferei, aber auch keine Drucker. Wohl aber baut sie ihre Arbeiten mit dünnen Fäden aus Ton auf. Mit unzähligen Schichten und Rollen formt sie ihre Objekte. Die Häute ihrer Arbeiten sind endlose Labyrinthe, in denen man sich verirren kann, wunderschöne meditative Muster mit subtilen Farbabstufungen.

Kontrovers ist auch die Arbeitsweise von Beatrijs van Rheeden (NL). Sie arbeitet wie eine Bildhauerin, indem sie den Ton wegnimmt, anstatt ihn zu kneten oder ihm etwas hinzuzufügen. Sie bearbeitet hartgetrocknete Porzellanschalen mit Chirurgenmessern. So entstehen wunderschöne offengearbeitete spitzenartige, geometrische Strukturen. Noch spannender wird es, wenn sie ihre Porzellan-Basisformen mit mehreren Farbschichten aufbaut oder sie mit textilen Komponenten kombiniert, wie in ihren jüngsten Arbeiten zu sehen ist.

Anne Butler aus Großbritannien fertigt raffinierte Bauwerke aus Porzellanplatten und geformten Blöcken. Ihre Arbeiten erinnern durch die unbearbeiteten Kanten an hastig hergestellte Massenprodukte aus Kunststoff. Wer aber etwas länger hinschaut sieht, dass es sich nicht um Plastik handelt, sondern um Keramikplatten und -blöcke, mit denen sie ihre Skulpturen akribisch und sorgfältig aufbaut. Daneben spielt sie mit der Schwerkraft und sucht sie die Grenzen des Materials mit hauchdünnen Porzellan Kubussen auf.

Heidi Hentze aus Dänemark macht ähnliche Arbeiten. Sie baut zarte geometrische Formen aus Porzellanplatten, die kaum dicker als Papier sind. Ihre hauchdünnen Objekte spielen ein Spiel: Einerseits trotzen sie der Schwerkraft, indem sie stolz und perfekt aufrecht stehen, andererseits scheinen sie sich mit jedem Windhauch zu bewegen.

Auch Jólan van der Wiel (NL) spielt mit Naturkräften, er nutzt den Magnetismus. Das macht er seit seinem Abschlussprojekt an der Gerrit Rietveld Academy, das ein voller Erfolg war. Er mischt Materialien mit Metallpulver und nimmt dann einen riesigen Magneten, der die Mischung anzieht und formt. Nach dem Erstarren behält es seine Form bei. Er begann mit Kunststoff, dann versuchte er es mit Ton. Das Schöne an nassem Ton und Eisen ist, dass es zu rosten beginnt, wodurch eine schöne Haut entsteht. Diese Serie erhielt den spannenden Namen: "Dragon Stone".

Schöne Häute sind auch in den Arbeiten des Iren Zsiri Dempsey zu sehen. Ihre Arbeiten erinnern an Schnee, der bereits leicht taut, oder an Zucker, der sich mit Wasser vollsaugt. Sie ist ständig damit beschäftigt, neue Techniken zu entwickeln und Möglichkeiten zu erforschen. Sie experimentiert immerzu mit Materialien, die sie in den Ton oder das Porzellan mischt, danach brennen diese während des Brennvorgangs weg und entstehen wundervolle Texturen.

Experimentell ist auch die Arbeit von Ruben Hoogvliet. Er machte 2020 seinen Abschluss in Produktdesign an der Kunstakademie in Arnheim. Er stellt seine Werke her, indem er Schaumstrukturen eintaucht und mit Ton vollgesaugten Formen abtropfen und trocknen lässt. Durch sie auf dem Kopf trocknen zu lassen, behalten die Formen eine schöne Spannung.

Eine Verbindung mit der Akademie in Arnheim und der Designabteilung ist bei Dick Lion zu finden. Er baute dort die Keramikabteilung auf und unterrichtete hier viele Jahre. Heute lebt und arbeitet er in Höhr-Grenzhausen, Deutschland. Eine Reihe seiner Lichtobjekte sind ausgestellt. Er erstellt die Entwürfe am Computer, und die Formen werden dann mit einer computergesteuerten Fräsmaschine hergestellt. Schließlich gießt er die Formen auf traditionelle Weise mit Porzellan. Das Ergebnis sind perfekt ausgearbeitete und komplexe geometrische Formen, die dank ihrer vielen Facetten einen wunderschönen Effekt zeigen, wenn das Licht durch sie hindurchscheint.

Noch transparenter sind die Objekte der Amerikanerin Lauren Nauman. Ihre Objekte sind buchstäblich ein Spiel mit Linien. Sie fertigt räumliche Zeichnungen mit nur wenigen Millimetern breiten Porzellanstreifen an. Sie beginnt mit geraden, symmetrischen "Käfigen". Dann überlässt sie es dem Ton und dem Ofen, um Bewegung darin zu kreieren. Während des Trocknens und Brennens biegen sich die Linien, hängen durch und verdrehen sich. Ihre Arbeit wird durch die Elemente Luft und Feuer vervollständigt, die ihre Formen dynamisch machen, sie scheinen zu tanzen oder sich zu wiegen wie Gras im Wind. Wo ein anderer Keramiker "POTverdorie!“ (verflixt) rufen würde, ruft Lauren "Heureka!". Mit nur wenigen Linien visualisiert sie den gesamten Keramikprozess und freut sich über jeden "Fehlschlag".

Zu besichtigen, sobald wir öffnen dürfen! bis einschließlich 15. Mai 2022

Aussteller

Anne Butler (GB); Zsiri Dempsey (IE); Yao van den Heerik & Marlieke Wijnakker (NL); Heide Hentze (DK); Ruben Hoogvliet (NL); Dick Lion (NL/DE); Lauren Nauman (VS); Beatrijs van Rheeden (NL); Alice Walton (GB), Jólan van der Wiel (NL)

An folgenden Terminen werden Künstler persönlich anwesend sein um ihre Arbeit zu erläutern:

  • 20.-2., Ruben Hoogvliet, 14u
  • 20.-3., Marlieke Wijnakker, 14u
  • 15.-5., Zsiri Dempsey, 14u
  • 25. und 26.-6, wird Beatrijs van Rheeden einen Workshop zum Porzellanschneiden geben.

Bitte buchen Sie im Voraus über unsere Website.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.tiendschuur.net, oder wenden Sie sich an Sacha Odenhoven, Kurator/Manager, info@tiendschuur.net, +49 77-3260213.
Keramikzentrum Tiendschuur Tegelen, Kasteellaan 8, 5932 AG Tegelen.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11:00 – 17:00 Uhr.